Die Redaktion der NelkenWelt im Interview mit dem ersten Vorsitzenden der Bürgerstiftung Zukunft Blomberg, Christoph Praschak.

 

Seit wann gibt es die Bürgerstiftung Zukunft Blomberg?
Das offizielle Gründungsdatum ist der 19.12.2005. Von diesem Datum datiert auch die Anerkennungsurkunde unserer Stiftung. Die Idee zur Gründung einer Stiftung datiert einige Zeit davor. Bürgermeister Klaus Geise und Knut Winkelmann als damaliger Vorsitzender der Sparkasse haben gemeinsam die Idee einer Bürgerstiftung entwickelt. Da es bewusst eine Bürgerstiftung und keine reine Sparkassenstiftung werden sollte, konnte mit Phoenix Contact schnell ein weiterer Partner gefunden werden. In vielen Gesprächen zwischen den Initiatoren Geise und Winkelmann und der Geschäftsführung von Phoenix Contact, Dipl.Ing. Klaus Eisert und Prof. Dr. Gunther Olesch, wurde die Idee zur Bürgerstiftung Zukunft Blomberg immer weiter vorangetrieben. Nachdem im August 2005 ausgearbeitete Entwürfe einer Satzung vorlagen, mussten die entsprechenden Gremien – Verwaltungsrat der Sparkasse, Stiftungsaufsicht, Finanzministerium des Landes NRW – noch ihre Zustimmung erteilen. Diese ist dann in den darauffolgenden Monaten erfolgt und mit dem oben aufgeführten Datum wurde die Bürgerstiftung Zukunft Blomberg als selbständige Stiftung des bürgerlichen Rechts offiziell anerkannt.

Ein paar Eckdaten?
Die Bürgerstiftung Zukunft Blomberg ist eine unabhängige, gemeinnützige Institution, die sich ehrenamtlich für das Gemeinwesen einsetzt, sich aus allen gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzt und der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung stellt. Sie zeigt sich frei von jeglicher Kontrolle oder Einflussnahme durch staatliche Instanzen, politische Organisationen oder einzelne Stifter. Zudem leistet die Bürgerstiftung ohne eigenwirtschaftliche Interessen finanzielle Unterstützung. Unsere Stiftung besteht aus einem zweiköpfigen Vorstand (Christoph Praschak (Vors.) und Hermann Trompeter) und einem vierköpfigen Kuratorium (Prof. Dr. Gunther Olesch (Vors.), Klaus Eisert, Klaus Geise, Peter Müller) als Aufsichtsorgan. Angestellte Mitarbeiter gibt es keine. Wir haben einen Kreis von etwa 50 Förderern, die uns einmalig oder auch schon mehrfach unterstützt haben. Gestartet sind wir im Jahr 2005 mit einem Stiftungskapital in Höhe von EUR 400.000 und dieses Kapital hat sich bis heute mehr als verdoppelt. Jährlich werden in der Regel 15-20 Projekte mit einer Summe von etwa EUR 20.000 unterstützt. Das erste Projekt wurde im April 2006 umgesetzt. Mit 40 interessierten Jugendlichen wurde die Hannover Messe besucht. Die Bürgerstiftung hat hierfür seinerzeit die Buskosten übernommen.


Klaus Eisert, Herman Trompeter, Christoph Praschak und Klaus Geise beim 10. Geburtstag der Stiftung im Jahr 2015.

Seit wann sind Sie im Amt und wie sind Sie dazu gekommen?
Seit Gründung der Stiftung wird der Vorstand durch einen Vertreter von Phoenix Contact und durch einen Vertreter der Sparkasse Blomberg gebildet. Nach dem Tod von Rainhard Quante im September 2011 habe ich seine Aufgaben in der Sparkasse übernommen und damit einher ging auch die Verantwortung für unsere Bürgerstiftung ab Oktober 2011 auf mich über.

Warum engagieren Sie sich in der Stiftung?
Weil es mir Spaß macht! Ich bin Blomberger, habe schon immer in Blomberg gelebt und habe insbesondere in meinen jungen Jahren durch das Ehrenamt in den Sportvereinen viel Unterstützung erhalten. Durch meine Arbeit in der Stiftung kann nun einiges an Unterstützung zurückgeben. Außerdem komme ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt und auch die an uns herangetragenen Projekte bieten sehr viel Abwechslung. Vom Bau eines Hühnerstalls in einer Kita über einen Senioren-Sing-Workshop bis hin zur Anschaffung eines Feuerlöschtrainers war schon alles dabei. Ganz besonders freue ich mich, wenn Anträge über neue und innovative Projekte von Personen und Organisationen eingehen, mit denen wir bislang noch nicht zusammengearbeitet haben.

Wie viel Arbeit steckt für Sie in der Stiftung?
Ich kann meine Arbeit nicht in Stunden oder Minuten ausdrücken. Ich halte dies auch nicht nach. Im Jahresverlauf gibt es Zeiten, in denen etwas mehr Arbeit anfällt, auf der anderen Seite gibt es aber Zeiten, in denen es ruhiger ist.

Was wird unterstützt?
Unsere Stiftung ist breit aufgestellt. Wir unterstützen Projekte aus den Bereichen
• Bildung und Erziehung
• Jugend- und Altenhilfe
• Kultur und Kunst
• Heimat- und Brauchtumspflege
• Gesundheitspflege
• Vereinbarung von Familie und Beruf


Seit 2009 unterstützt die Stiftung die leistungsstärksten und sozial engagiertesten SchülerInnen an allen weiterführenden Schulen

Der Schwerpunkt hiervon liegt auf dem Bereich Bildung und Erziehung. Daher sind auch die Schulen und Kindergärten im Stadtgebiet die größten Profiteure unserer Unterstützungsleistungen.

Wie wird finanziert?
Auf unserer Homepage „zukunft-blomberg.de“ ist ein Projektantrag hinterlegt, welcher uns ausgefüllt zugeleitet wird. In diesem Antrag beschreiben die Personen, Vereine oder Institutionen ihr Projekt und geben auch die Höhe der gewünschten Unterstützungsleistung an. Dieser Antrag wird dann anschließend im Vorstand besprochen und nach kurzer Zeit erhält der Initiator eine zumeist positive Rückmeldung. Hierbei ist uns insbesondere wichtig, dass unsere Unterstützungsleistung nicht auf eine einmalige Veranstaltung in einem kleinen Kreis abzielt. Vielmehr sollte eine gewisse Nachhaltigkeit hinter dem Projekt stehen und möglichst viele Blomberger davon profitieren können.

Unterschied zwischen Zustiftung und Spende?
Bei einer Zustiftung handelt es sich um einen Geldbetrag, welcher unser Stiftungsvermögen aufstockt. Diese Gelder werden zumeist langfristig angelegt und aus den Erträgen (Zinsen oder Ausschüttungen) werden Projekte finanziert. Hierbei steht der Erhalt des Stiftungsvermögens über allem. Im Gegensatz hierzu handelt es sich bei einer Spende um einen Geldbetrag, welchen wir direkt in unsere Projekte fließen lassen können. Da es aktuell auf der schon lange anhaltenden Niedrigzinsphase sehr schwierig ist, hohe Erträge aus den investierten Geldern des Stiftungsvermögens zu erhalten, sind wir momentan mehr denn je auf Spenden angewiesen um unsere Förderungen auf dem aktuellen Niveau auch in den nächsten Jahren aufrecht erhalten zu können.


Geballte Infos gibt es auf den Versammlungen des Stifterforums

Wer kann helfen?
Helfen kann jeder! Wir sind eine Bürgerstiftung und daher kann sich auch jeder Bürger an unserer Arbeit beteiligen. In finanzieller Hinsicht können Spenden in beliebiger Höhe an uns gerichtet werden, eine Zustiftung kann ab einer Summe von EUR 500 getätigt werden. Daneben freuen wir uns auch über Anregungen, Ideen und Hinweise. Hierfür versuchen wir dann geeignete Projektpartner zu finden. Sprechen Sie uns einfach an!

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Stiftung?
Wir wollen mit unserer Stiftung und durch unsere Unterstützungsleistungen in der Großgemeinde Blomberg einen Mehrwert schaffen. Dabei sind wir nicht auf einzelne Bereiche festgelegt, sondern nach unserer Satzung sehr breit aufgestellt um auch in viele Richtungen unterstützen zu können. Wie bereits beschrieben ist unser jährliches Budget gerade aufgrund der Zinssituation begrenzt. Dennoch ist es unser Anliegen, möglichst alle eingehenden Anträge – sofern diese mit unseren Satzungszielen zu vereinbaren ist – positiv zu beantworten. Daher werden wir uns auch zukünftig über Zustiftungen und Spenden sehr freuen und hoffen natürlich auch auf eine Zinswende. Langfristig wäre es natürlich wünschenswert, wenn unsere aktuelles Unterstützungsniveau noch weiter ausbauen könnten.

Link zum Nelkenwelt Artikel

Die „Bürgerstiftung Zukunft Blomberg“ im Kurzprofil